„Im Sommer Heizöl bestellen? Brauche ich doch noch nicht.“ Dieser Gedanke ist verständlich – aber er kostet Geld. Historisch sind die Heizölpreise in den Monaten Juli und August am niedrigsten, weil die Nachfrage auf dem Jahresminimum ist. In diesem Ratgeber erklären wir, warum sich die Sommerbestellung fast immer auszahlt, wie Sie sie vorbereiten und welche Fehler Sie vermeiden sollten.
Warum sind Heizölpreise im Sommer am niedrigsten?
Der Heizölmarkt folgt einem klaren saisonalen Muster. Die Nachfrage bestimmt maßgeblich den Preis – und die Nachfrage ist im Sommer am geringsten. Die Gründe:
- Heizsaison beendet: Zwischen Mai und September heizt kaum jemand. Die Tanks sind noch gefüllt, die Bestellungen gehen zurück.
- Raffinerien im Sommerbetrieb: Raffinerien produzieren im Sommer mehr Benzin (Fahrsaison) und weniger Heizöl. Das begrenzt das Heizölangebot nicht, aber die Nachfrage ist so niedrig, dass die Preise trotzdem fallen.
- Lagerbestände hoch: Nach dem Winter sind die Lagerbestände an Heizöl oft hoch, was den Preis drückt.
- Lieferzeiten kurz: Weniger Bestellungen bedeuten entspannte Logistik. Lieferungen erfolgen oft innerhalb weniger Tage.
Der historische Jahresverlauf im Detail
Historisch zeigt der Heizölmarkt ein wiederkehrendes Muster mit vier Phasen:
| Phase | Monate | Nachfrage | Preistendenz |
|---|---|---|---|
| Frühjahr | März – Mai | sinkend | leicht fallend |
| Sommer | Juni – August | niedrigster Stand | oft Jahrestief |
| Herbst | September – November | steigend | steigend |
| Winter | Dezember – Februar | höchster Stand | oft teuerste Phase |
Die niedrigsten Preise finden sich meist in den Monaten Juni bis August, wenn die Nachfrage am geringsten ist. Wer hier bestellt, sichert sich in der Regel das günstigste Niveau des Jahres.
Aktuelles Beispiel: August 2026
Das saisonale Muster zeigt sich auch 2026 deutlich. Nach einem Hoch am 24. Juni (142,60 €/100 L) sind die Preise im August auf rund 137 €/100 L gesunken – seit Monatsbeginn rund 9 Cent pro Liter. Der Sommer 2026 entpuppt sich als verbraucherfreundlich, auch wenn das Niveau insgesamt hoch bleibt (Vorjahr: 96,80 €/100 L).
Ein Rechenbeispiel zeigt das Einsparpotenzial:
- Sommerbestellung (August): 137 €/100 L × 30 = 4.110 €
- Winterbestellung (Dezember, historisch +15 %): ~158 €/100 L × 30 = 4.740 €
- Einsparung durch Sommerbestellung: ~630 €
Bei 3.000 Litern sind das über 600 € Ersparnis – nur durch den richtigen Zeitpunkt. Bei größeren Tanks (5.000–10.000 L) steigt die Ersparnis proportional.
So bereiten Sie die Sommerbestellung vor
1. Tankfüllung prüfen
Prüfen Sie die Füllstandsanzeige. Eine Bestellung empfiehlt sich, wenn der Tank zu weniger als 30–40 % gefüllt ist. So haben Sie genug Zeit, einen günstigen Preis abzuwarten, ohne in Verlegenheit zu kommen. Wer im Sommer mit 30 % Restfüllung bestellt, hat bis zur Heizsaison genug Reserve.
2. Tankzustand kontrollieren
Ein Sommereinkauf ist der ideale Zeitpunkt, den Tank prüfen zu lassen:
- Außenkorrosion: Roststellen am Stahltank rechtzeitig behandeln.
- Dichtungen und Armaturen: Auf Dichtheit prüfen, austauschen bei Bedarf.
- Tankreinigung: Bei älteren Tanks (über 15 Jahre) kann eine Reinigung sinnvoll sein, um Ablagerungen zu entfernen.
- Peilrohr und Anzeige: Funktioniert die Füllstandsmessung noch zuverlässig?
3. Bestellmenge kalkulieren
Die Bestellmenge hängt vom Jahresverbrauch und der Tankgröße ab. Faustregeln:
- Einfamilienhaus, gut gedämmt: ~2.000–2.500 L/Jahr
- Einfamilienhaus, normal gedämmt: ~3.000–3.500 L/Jahr
- Altbau, ungedämmt: ~4.000–5.000 L/Jahr
- Zweifamilienhaus: ~5.000–7.000 L/Jahr
Bestellen Sie so viel, wie der Tank fassen kann, ohne dass Sie im Winter nachtanken müssen. Größere Mengen sind pro Liter günstiger und reduzieren die Anzahl der Bestellungen.
4. Anbieter vergleichen
Holen Sie Angebote von mehreren Anbietern ein. Die regionalen Preisunterschiede können erheblich sein – im August 2026 lagen sie bei über 21 € pro 100 Liter zwischen dem günstigsten und teuersten Bundesland. Nutzen Sie eine tagesaktuelle Preisberechnung, um das beste Angebot zu finden.
5. Festpreisgarantie prüfen
Viele Anbieter bieten Festpreisgarantien an, die den Preis für einen bestimmten Zeitraum sichern. Bei niedrigen Sommerpreisen kann das attraktiv sein – Sie sichern sich das Niveau, auch wenn die Preise im Herbst steigen.
Häufige Fehler bei der Sommerbestellung
Fehler 1: „Ich warte noch auf den tiefsten Preis“
Der Versuch, den exakten Tiefpunkt zu treffen, führt oft dazu, dass man zu lange wartet und dann im Herbst zu höheren Preisen einkaufen muss. Niemand kann den Markt exakt vorhersagen. Besser: Ein Preisniveau anpeilen (z. B. unter 130 €/100 L) und bei Erreichen bestellen.
Fehler 2: Zu wenig bestellen
Wer im Sommer nur eine kleine Menge bestellt, um „noch abzuwarten“, zahlt oft zweimal Lieferkosten und verpasst den Mengenrabatt. Besser: Den Tank vollständig füllen, solange die Preise niedrig sind.
Fehler 3: Lieferzeit unterschätzen
Im Sommer sind die Lieferzeiten kurz – aber das ändert sich im Herbst. Wer im Oktober bestellt, muss mit längeren Wartezeiten rechnen. Im Sommer haben Sie den Logistikvorteil.
Fehler 4: Tank nicht geprüft
Eine Bestellung in einen schadhaften Tank kann zu Umweltverschmutzung und teuren Sanierungskosten führen. Prüfen Sie den Tank vor der Befüllung – besonders bei älteren Anlagen.
Fehler 5: Qualität ignorieren
Heizöl ist nicht gleich Heizöl. Standardqualität nach DIN 51603-1 ist die Grundvoraussetzung. Premium-Heizöl mit Additiven bietet zusätzlichen Korrosionsschutz und bessere Brennwerte – besonders für ältere Anlagen sinnvoll. Informieren Sie sich über die Unterschiede.
Sommerbestellung und GModG: Was ändert sich?
Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), seit 29. Juli 2026 in Kraft, ändert nichts an der Sommerbestellungs-Strategie. Heizöl bleibt ein zulässiger Brennstoff, die laufende Ölheizung darf weiterbetrieben werden. Die Bio-Treppe (Beimischung biogener Brennstoffe ab 2029) betrifft nur neu eingebaute Heizungen – und hier liefert der Brennstofflieferant das entsprechend gemischte Heizöl. Für Ihre Sommerbestellung 2026 gilt: ganz normal bestellbar, ganz normal lieferbar.
Fazit: Der Sommer ist Ihr bestes Zeitfenster
Die Sommerbestellung von Heizöl ist eine der einfachsten und wirkungsvollsten Sparmaßnahmen für Ölheizungsbesitzer. Die Nachfrage ist niedrig, die Preise historisch am günstigsten, die Lieferzeiten kurz. Wer den Tank im Juli oder August auffüllt, sichert sich das niedrige Niveau und geht nicht das Risiko ein, in der Hochsaison zu Spitzenpreisen einkaufen zu müssen.
Bei 3.000 Litern sind schnell mehrere hundert Euro Ersparnis drin – bei größeren Tanks entsprechend mehr. Prüfen Sie Ihren Füllstand, kontrollieren Sie den Tank und berechnen Sie jetzt Ihren tagesaktuellen Preis auf Heizoel-Genial.